Praktikumsbericht Marie Nele Wolfram

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Im März und April 2017 durfte ich als Praktikantin im Bundestagsbüro von Susann Rüthrich MdB arbeiten. Susann ist stellvertretende Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses und Mitglied im Ausschuss Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Kinderkommission sowie Kinderbeauftragte der SPD-Fraktion. Susann hat drei Büros, eins in ihrem Wahlkreis in Meißen, eins im Betreuungswahlkreis Dresden und eins in Berlin, wo ich acht Wochen lang im Paul-Löbe-Haus arbeiten durfte. In Susanns Team fühlte ich mich sehr wohl. Katja leitet die Büros, Anne ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und zuständig für Demokratie, (Rechts)extremismus ect. und Mihai und Stefan teilen sich eine Stelle. Susanns Team ist jung und dynamisch, es wird aufeinander Rücksicht genommen, die Hierarchien sind flach. Anders als bei anderen Praktika wurde ich von Anfang an als vollwertiges Teammitglied wahrgenommen und habe spannende Aufgaben bekommen. Das Arbeiten im Büro fand dabei immer auf Augenhöhe statt, so werden Zielvorgaben anstatt genaue Durchführungsanleitungen vereinbart, ein ehrliches und freundliches Miteinander und Kommunikation wird groß geschrieben.

Im März gab es drei Sitzungswochen im Bundestag. Susann war den Großteil meiner Praktikumszeit noch in Mutterschutz. In den Sitzungswochen nahmen wir trotzdem an allen Sitzungen teil: NSU-Untersuchungsausschuss, Kinderkommission, AG Familie, AG Demokratie, AG Prävention… Hinzu kamen Termine wie Pressekonferenzen, Fraktionsempfänge, Mittagsgespräche, Gedenkveranstaltungen. Hier schrieb ich Vermerke für Susann und das Team und versuchte stets Handlungsempfehlungen für die Politik herauszuhören. Auch auf Hintergrundinformationen und Argumente rund um Gesetzesvorschläge musste man bei allen Terminen achten. Einzelne Tagesordnungspunkte der Plenarsitzungen bereiteten wir für Susann vor, dokumentierten die Debatten und schätzten sie persönlich ein, sodass Susann trotz Babyzeit im Bilde der Diskussionen war und gewissenvoll bei der nächsten Plenarsitzung abstimmen konnte.

Im März fand bereits der letzte NSU-Untersuchungsausschuss statt, sodass wir uns anschließend mit den Vorbereitungen für den Abschlussbericht des Ausschusses beschäftigten. Hier arbeitete ich meiner Kollegin und der Fraktion zu, in dem ich überprüfte, inwiefern staatliche Sicherheitsinstitutionen die Empfehlungen aus dem 1. NSU-Untersuchungsausschuss umgesetzt hatten oder wo noch Handlungsbedarf bestand. Des Weiteren konzipierte ich Veranstaltungsideen für Susanns Wahlkreis und beobachtete die Entwicklung der AfD in Sachsen. Auch Bürger*innenbriefe beantwortete ich. Für einen Antrag von Susann dokumentierte ich die Beschlusslage der Sachsen SPD im Bereich Familie. Natürlich kümmerte ich mich auch um tägliche Aufgaben im Büro, um die Post, Terminmappen oder Beutel für Besucher*innengruppen.

Sehr bereichernd empfand ich auch das Praktikant*innen-Programm der SPD-Fraktion. Jede Woche wurden hier Angebote organisiert, so besuchte ich z.B. den Bundesrat oder das Bundeskanzleramt, nahm am Workshop „Politik und Psychologie“ teil und konnte Facheinschätzungen zu aktuellen Politikfeldern von Staatssekretärinnen und fachpolitischen Sprecher*innen der Fraktion zuhören.

Schon seit längerer Zeit hatte ich den Wunsch ein Praktikum im Bundestag zu absolvieren. Mein Ziel ist es neben meiner universitären Ausbildung, alle Ebenen der Politik persönlich kennenlernen. Nachdem ich mich in der Kommunal- und Landespolitik engagierte hatte, wollte ich Eindrücke der Bundespolitik sammeln. Meine Begeisterung für das (Berufs-)feld Politik wurde bestätigt und ich glaube, dass ich bei kaum einem anderen Praktikum mehr gelernt hätte. Das besondere an der Politik ist, dass man sich in alle möglichen Lebenslagen von vielen verschiedenen Menschen hineinversetzen muss und Problemlagen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten muss bevor man eine Entscheidung fällen kann. Genau dieses Analysieren, Denken und Abwägen macht mir Spaß und Susann und ihr Team haben mich hierbei sehr inspiriert, denn sie haben die notwendige Empathiefähigkeit und den Weitblick, den Menschen in der Politik benötigen. Das Arbeiten in einem Bundestagsbüro kann ich mir für meine berufliche Zukunft sehr gut vorstellen.

Auch für mein Studium der Internationalen Beziehungen an der TU Dresden konnte ich einen großen Nutzen erkennen. In den Debatten um Gesetzesvorschläge ist die Verbindung zwischen juristischen, politikwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Analysen tagtägliche Praxis und die Kenntnisse, die ich durch mein Studium bekommen habe, halfen mir dabei die oft 50 bis 100 Seiten langen Gesetzestexte schneller zu verstehen.

Ich bedanke mich bei Susanns Büro für die erkenntnisreichen Einblicke, das herzliche Miteinander, das gegenseitige Vertrauen und des viele Lachen und schätze mich glücklich darüber, dass meine Bewerbung im vergangenen Jahr auf dem Tisch des besten Teams im Bundestage gelandet war.