Internationaler Tag der Sinti und Roma

Heute ist der Internationale Tag der Sinti und Roma. Weltweit wird heute der Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti*ze und Rom*nja gedacht und auf die immer noch stattfindende Diskriminierung gegenüber einer der größten europäischen Minderheiten mit fast 12 Millionen Angehörigen aufmerksam gemacht. Gleichzeitig wird die Kultur der Sinti*ze und Rom*nja gefeiert. Zwischen 70.000 und 150.000 Sinti*ze und Rom*nja leben heute in Deutschland und leisten einen großartigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt unseres Landes.

Den jährlichen Aktions- und Gedenktag finde ich sehr wichtig. Wir haben international und auch in Deutschland immer noch ein großes Problem mit Antiziganismus. Die Ergebnisse der Leipziger Autoritarismus-Studie 2018 haben gezeigt, dass Unwissenheit und Vorurteile gegenüber unseren Mitbürger*innen, die den Sinti*ze und Rom*nja angehören, noch immer weitverbreitet sind. So war etwa bundesweit fast die Hälfte der Befragten der Meinung, „Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden“. Es ist erschreckend, dass solche menschenfeindlichen Einstellungen offensichtlich immer noch in der Mitte unserer Gesellschaft existieren. Wir müssen uns allen Formen von Antiziganismus gemeinsam und entschlossen entgegenstellen – das betrifft Hasskommentare im Internet genauso wie rassistisch diskriminierende Wahlwerbung. Im Kampf gegen antiziganistische Ressentiments und strukturelle Benachteiligungen trägt Deutschland vor dem Hintergrund des NS-Völkermordes an den Sinti*ze und Roma*nja eine besondere Verantwortung.

Ein wichtiger Erfolg war die Konstituierung der Unabhängigen Expert*innenkommission Antiziganismus am 27. März 2019 durch die Bundesregierung. Das Gremium, bestehend aus unabhängigen Sachverständigen, wird die Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen des Antiziganismus in Deutschland analysieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik entwickeln.

Außerdem fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2015 über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ verschiedene Projekte, die sich gegen Antiziganismus engagieren. Es ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen, dass Aufklärung über Antiziganismus in Deutschland als selbstverständlicher Teil politischer Bildung wahrgenommen wird und ich werde mich dafür weiterhin einsetzen. Es ist elementar, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft gleiche politische und wirtschaftliche Teilhabemöglichkeiten haben und ihre Chancen frei von Diskriminierung wahrnehmen können.